2020, Blog

Die Sache mit den Keksen

Kekse sind toll. Vor allem, wenn sie süßlich sind oder noch einen leckeren Zuckerguss haben, wie es zu Weihnachten üblich ist. Welche Kekse gar nicht gehen, sind Cookies. Die Web-Cookies und all der Tracking-Quatsch der noch dranhängt.

Es mag den Wenigsten aufgefallen sein, aber beim Besuch der meisten Webseiten, werden immer Overlays eingeblendet, bei denen wir als Leser zustimmen sollen, dass Cookies gesetzt werden können und andere Lesererfahrungsverbesserungstechniken erlaubt werden sollen, die aber doch weit aus mehr bedeuten als im ersten Moment wahrgenommen wird.

Nehmen wir mal ein Beispiel: welt.de – Welt Online.

Wer diese Seite mit einem sauberen Browser besucht, erhält folgende Abfrage:

Instinktiv klickt der normale Nutzer auf den farbig hinterlegten Knopf und akzeptiert alles. Kaum jemand liest sich durch was hinter den Informationen steckt.

Erst ein Klick auf den blassen Knopf „Einstellungen oder ablehnen“ ermöglicht hinter die Kulissen des Trackings, Verfolgens und Nutzererlebnisses zu schauen:

Jetzt müsste man erst mal alles ausklappen und lesen. Aber auch hier wird eher instinktiv auf den farbigen Knopf geklickt, der die gleiche Bedeutung hat, wie in der ersten Auswahl. „Alles akzeptieren“ und man kann in Ruhe lesen. Der blasse Knopf mit „Ablehnen wie ausgewählt“ wäre jedoch die klügere Wahl.

Wer alles akzeptiert, erlaubt Fremdanbietern bewusst oder eher unbewusst auf welt.de folgende Punkte:

  • Informationen wie z. B. Cookies und Geräte-Kennungen zu den dem Nutzer angezeigten Verarbeitungszwecken auf dem Gerät speichern und abrufen.
  • Personalisierte Anzeigen und Inhalte, Anzeigen- und Inhaltsmessungen, Erkenntnisse über Zielgruppen und Produktentwicklungen
    • Personalisierte Inhalte auswählen
    • Personalisierte Anzeigen auswählen
    • Auswahl einfacher Anzeigen
    • Ein personalisiertes Anzeigen-Profil erstellen
    • Ein personalisiertes Inhalte-Profil erstellen
    • Anzeigen-Leistung messen
    • Inhalte-Leistung messen
    • Marktforschung einsetzen, um Erkenntnisse über Zielgruppen zu gewinnen
    • Produkte entwickeln und verbessern
  • Inhalte von sozialen Netzwerken und eingebettete Inhalte von Drittanbietern können angezeigt werden.
  • Sicherheit gewährleisten, Betrug verhindern, und Fehler beheben (???)
  • Anzeigen oder Inhalte technisch bereitstellen
  • Technisch notwendige Verknüpfungen zu Anbietern
  • Daten, die offline erhoben wurden, mit Daten, die online erhoben wurden, zusammenführen, um sie für einen oder mehrere Verarbeitungszwecke oder besondere Verarbeitungszwecke ergänzend zu nutzen.
  • Verschiedene Geräte verknüpfen
  • Empfangen und Verwenden automatisch gesendeter Geräteeigenschaften für die Identifikation

Um das einzuschränken müsste man nur den richtigen Knopf klicken oder, wenn man mag, sich einige Anbieter anschauen und zulassen was man selbst zulassen würde. Ich habe mal einfach ein Video davon gemacht und vorher alles aufgeklappt. Damit wird deutlich wie viele Firmen mit den Daten der Leser*innen ihr Geld verdienen. Allein das Scrollen hat über drei Minuten gedauert.

(Aufgenommen mit Vokoscreen.)

Die meisten Anbieter wiederholen sich unter den einzelnen Punkten. Dennoch erlauben die Einstellungen (Alle akzeptieren) eine intensive Verfolgung der Nutzer.

Stellt Euch mal vor Ihr würdet in ein Lesehaus gehen, um ein Buch zu verschlingen und einhundert Fremdfirmen wollen alle Daten von Euch. Da geht man doch nie wieder hin!

Gleiche Ergebnisse bringen andere Webseiten ebenfalls. Bspw. stern.de oder sueddeutsche.de.

Ich bin der Überzeugung, dass das Einsparen aller Ressourcen für diesen Quatsch mehr bringen würde, als es Einnahmen generiert. Eine saubere Paywall ist insgesamt doch zu bevorzugen.

Schön ist diese Entwicklung immer noch nicht. Wahrscheinlich wird es eher noch schlimmer.

 

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