2020, Blog

Die Sache mit der Cloud

Die Cloud. Eine geniale Marketingschöpfung. Eine geniale Idee, um Chefetagen zu überzeugen, dass Geld gespart werden kann. Eine geniale Idee, um Firmen und Privatleute in die Abhängigkeit zu locken. Deshalb wird es Zeit für eine kleine reale Geschichte.

Ab und zu gebe ich Geld aus, um Dinge zu testen. Software, Service oder Hardware. Keine Tests für die man mich bezahlt. So stöberte ich Dezember 2018 durch eine sogenannte Deals-Webseite. Deals-Webseiten bieten kostengünstige Produkte an. Meist sind es Marketingaktionen der beteiligten Unternehmen.

Bspw. kann eine Software zum Zehntel des Preises gekauft werden, um Kunden zu gewinnen oder die Verbreitung voranzutreiben. So fand ich ein Angebot für Privatnutzer. Ein Cloud-Angebot. Datensicherung der privaten Daten auf einen Cloud-Server. Das Besondere daran war ein gar nicht so unübliches Lifetime-Angebot. Man kauft für einen niedrigen Einmal-Preis einen Service, der normalerweise pro Monat kostet. Ihr kennt das sicher bspw. von Telekom, Ionos oder Strato in Deutschland. Aber eben mit monatlichen Kosten.

Das Angebot kam von der Firma Zoolz. Ein Unternehmen mit Sitz in London. Es umfasste 1 TB Cold Backup und 1 TB Instant Vault. Eigentlich ausreichend. Mit allen Daten die ich habe, kann ich den noch lange nicht füllen.
Eine Software verschlüsselt die Daten beim Hochladen und überwacht vorher definierte Ordner, um Daten automatisch zu sichern. Man kann über die Weboberfläche auch Daten hochladen, muss diese aber selbst vorher verschlüsseln. Alles gängig und kein Zauberwerk.

Das Angebot? Ein Schnäppchen. Es waren nur 44,95 $ nötig. Einmal bezahlen. Lebenslang nutzen! Eigentlich genial. Manche Werbeangebote sind eben gut. Auf den ersten Blick. Doch Firmen leben nicht ewig und es gibt auch Firmen, die sich an Verträge nicht halten.

Nach 12 Monaten circa begannen Werbemails einzutreffen, um das Lebenslang-Home-Paket noch mehr aufzubohren und monatlich einen geringen Betrag zu zahlen. Pech. Die 2 TB Speicher für lebenslang reichen aus.

Doch nun traf eine andere Nachricht ein. Sorry Home-Nutzer, aber die Home-Pakete werden eingestellt. Die Firma will sich auf Businesspartner konzentrieren.

 

Naja, so dachte ich mir, schreibe ich doch mal hin. Immerhin hatte ich einen lebenslangen Cloud-Speicher eingekauft. Ergebnis? Die Antwort sah zwar persönlich aus, aber sie kam zu schnell und beinhaltete nur die Information, dass die Daten bis Mitte Oktober gesichert werden sollen. Eher automatische Kundenabwehr. Aber sie helfen gerne bei der Datenrückholung. Voll nett. Also Feedback-Ticket aufgemacht. Dort hatte man aber auch kein Interesse den Vertrag einzuhalten. Home-Nutzer können aber gerne Businesspartner werden.

Wäre das jetzt ein deutsches Unternehmen, wäre eine Abmahnung fällig oder ein anderer machbarer juristischer Schritt möglich. Aber das Problem bei der Cloud ist eben, dass Kunden sich auf ein gefährliches Spiel mit Firmen im Ausland einlassen. Da hat man dann nur kurze Fristen seine Daten zu retten. Widerstand ist nicht wirklich möglich für Privatleute. Wer sich auf so ein Angebot einlässt und vielleicht seine ganze Infrastruktur darauf umgestellt hat, könnte ins Schwitzen kommen.

Hier hat es jetzt Privatleute getroffen, aber es zeigt, dass die Cloud als externe Lösung ein zu hohes Risiko ist. Abhängigkeiten und Kostenveränderungen werden beim ersten Schritt in die Cloud nicht eingepreist. Und wie weit man sich und seine Infrastruktur an Cloud-Dienste gebunden hat, entscheidet möglicherweise bei Firmen über die Existenz.

Mindestens für Privatleute kann man festhalten: Zoolz hält sich nicht an Verträge.
Da wird man doch sicher gerne Businesskunde.

 

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